Wanderungen auf Ibiza

Entlang der Küste und auf den Berg Ibiza bietet viele einfache Wanderstrecken

Was wir auf Ibiza erstmal alles nicht gesehen haben.
In Santa Agnes, so steht es im Wanderführer, ist gegenüber der Kirche ein Parkplatz. Den haben wir genau so leicht gefunden, wie das Schild mit dem Pfeil „Cami d’es Pla de Corona“. Doch dann passte nichts mehr: Acht Minuten sollten wir gehen, bis ein Schotterweg bergauf führt. Was genau sind acht Minuten? Geht man schnell, geht man langsam? Wir fanden wohl irgendwann einen Weg, den man als Schotterweg bezeichnen könnte, der bergauf führte und rechts abzweigte, doch er brachte uns in keinster Weise ans Ziel. Daran waren wir wahrscheinlich selbst Schuld, den ein Blick ins Impressum unseres Wanderführers zeigte, dass er von 2003 ist. Gekauft hatte ich ihn zwar erst 2007, aber in acht beziehungsweise zwölf Jahren kann sich eine Landschaft stark verändern. Wir liefen trotzdem etwa eineinhalb Stunden durch den Kiefernwald, einen steilen Berg hinab zu den Klippen, wieder hinauf und durch einen Ort mit großen, neuen Häusern. Nur den Rundweg mit seinen spektakulären Ausblicken haben wir nicht gefunden.

Was soll’s, dachten wir uns, dann nehmen wir die Landkarte, die man uns gestern beim Mietwagenverleih gegeben hat, und fahren drei Punkte im Norden an, die als Sehenswürdigkeiten eingezeichnet waren. Zuerst wiesen uns braune Schilder den Weg nach Portixol. Hinter dem Namen war eine Klappkamera abgebildet, das gebräuchliche Symbol für „Da gibt’s was zu sehen, was zu fotografieren“. Wir folgten den Schildern, und während ich noch darüber nachdachte, ob dieses Symbol eigentlich für junge Leute, die Zeit ihres Lebens mit ihrem Telefon Bilder machen, noch verständlich ist, erreichten wir eine Sackgasse. Weitere Schilder nach Portixol gab es nicht, auch keine Aussicht. Wir fuhren zurück auf die Hauptstraße, fanden zufällig ein kleines, pinkfarbenes Schild, das den Weg zum Torre d’es Mular wies. Wir folgten ihm, landeten bei einem Hotel auf dem Berg und einer Schotterstraße. Ihre Löcher und spitzen Steine wollten wir unseren Autoreifen nicht zumuten. Leider gab es auch hier kein Schild, das uns den Weg zum Turm weiter wies, auch keinen Parkplatz. Wir gaben auf und fuhren zur dritten Attraktion, den Höhlen von Can Marca. Sie immerhin fanden wir. Doch obwohl das Schild an der Einfahrt vollmundig versprach, man habe das ganze Jahr geöffnet, so galt dies zumindest nicht für den 25. Dezember. So haben wir die Höhlen also zunächst nicht gesehen. Dafür den Torre – wenn auch nur von der anderen Seite der Bucht, also aus der Ferne.

Das war zwar ein etwas frustrierender Tag gewesen. Aber: Wir hatten Wärme, Farben und Licht. Was will man mehr, wenn man gerade drei Wochen Dauerregen und Grau in Grau hinter sich hat? Außerdem hatten wir an den nächsten Tagen mehr Glück:

Wanderung auf den Sa Talaia
Mein alter Wanderführer sagt, man solle in Sant Josep den gepflasterten Weg gegenüber der Kirche nehmen, um an einem Hotel vorbei auf den höchsten Berg Ibizas zu steigen, auf den Sa Talaia. Wer mit dem Auto nach Sant Josep gefahren ist, muss dieses also irgendwo abstellen: Gegenüber der Kirche führt eine Straße zu einem großen Parkplatz. Auf dem Weg von dort Richtung Kirche geht links eine Straße den Berg hinauf, auf der das Hotel ausgewiesen ist, das als Orientierungspunkt im Wanderführer genannt wird. Folgt man ihr, kommt man an eine Kreuzung. Rechts geht’s zum Hotel, links zum Wanderpfad auf den Berg. Er ist nach weniger Metern ausgewiesen: Über Baumwurzeln und Geröll führt ein sehr schmaler und steiler Weg nach oben. Die Route ist ab und zu durch einen blauen, oft verwaschenen Pfeil auf Steinen markiert. Der Weg führt durch den Wald, unter gefallenen Baumstämmen hindurch, und ist teilweise recht abenteuerlich. Nach etwa 50 Minuten erreicht man eine Plattform, von der aus man einen tollen Blick über die Insel hat. Den sollte man auf jeden Fall genießen, denn auf dem Gipfel selbst gibt es wegen der hohen Bäume und Büsche nichts zu sehen. Er wird durch einen Betonblock markiert, der etwas zerfallen wirkt und voller Graffiti ist. In meinem Reiseführer von 2003 ist er noch höher und sauberer.

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Blick vom Sa Talaia
Blick vom Sa Talaia

Bettina Blass

Wer nicht den gleichen Weg zurück gehen möchte, folgt der breiten Schotterpiste. Nach rund zehn Minuten geht links ein Weg ab zu einer natürlichen Terrasse mit einem schönen Blick über die Berge und bis zur Küste. Weiter auf dem breiten Weg nach unten kommt der Wanderer irgendwann an einer Kreuzung. Hier sollte man sich rechts halten. Leider fahren doch zumindest am zweiten Weihnachtsfeiertag viele Leute mit dem Auto über diesen Weg nach oben. Das wird noch schlimmer, wenn man die Landstraße erreicht hat, die nach Sant Josep zurückführt. Auf ihr muss man noch einige Kilometer gehen, mal rechts, mal links – je nachdem, wo man als Fußgänger mehr Platz hat. Dieses Stück der Wanderung ist nicht besonders schön, aber bequemer zu gehen, als der steile Weg, über den wir auf den Gipfel kamen. Dafür ist der erste Weg naturbelassener und deutlich malerischer als die Strecke im Graben der Landstraße und mit dem Abgasgeruch in der Nase.

Wanderung zum Leuchtturm von Portinatx
gut drei Stunden soll man unterwegs sein, um von Portinatx zum Leuchtturm zu gehen, von dort weiter bis zur Cala d’en Serra, zurück zum Leuchtturm und dann wieder zum Auto. Schon im Reiseführer steht, dass der Weg manchmal nicht leicht zu finden ist. Wir hofften, dass sich in den zwölf Jahren seit seinem Erscheinen etwas daran zum Guten verändert hat, doch der Weg ist abenteuerlich geblieben.

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Wanderung zum Leuchtturm
Wanderung zum Leuchtturm

Bettina Blass

Zwar ist am Parkplatz an der Bucht in Portinatx ein kleines Schild, das auf den Wanderweg hinweist, doch schon nach wenigen Metern wird klar, dass die Strecke nicht ohne ist. Zu Beginn kann man den Weg deutlich erkennen, weil rechts und links die Büsche und Bäume so zurückgeschnitten sind, dass ein Hohlweg entsteht, gerade breit genug für eine Person. Doch bald hören die Pflanzen auf, Schilder gibt es keine, also muss man seinen Weg erahnen. Auf Steinen sind ab und zu Zeichen: mal ist es ein gelber Punkt, ein roter Strich oder ein blauer Pfeil. Doch sie sind leicht zu übersehen. Dann versucht man sein Glück in die falsche Richtung und landet schließlich im dichten Gestrüpp. Erst, wenn man sich umdreht, erkennt man irgendwo wieder einen Farbklecks. Das ist so tragisch nicht, denn das erste Ziel hat man meistens klar vor Augen: den schmalen, schwarz-weiß geringelten Leuchtturm. Auf ihn bewegt man sich zu, und selbst, wenn man nicht auf dem offiziellen Weg unterwegs ist, nähert man sich ihm. Allerdings führt der Weg manchmal auch nah an die Klippe heran. Eine Art Konfrontationstherapie für Menschen mit Höhenangst, denn ein schützendes Geländer gibt es hier nirgends. Kurz vor dem Leuchtturm plötzlich ein irritierendes Schild, das bis zum Ziel noch 700 Meter ausweist. Dabei ist man nach wenigen Schritten dort.

Am Leuchtturm vorbei ginge der Weg weiter Richtung Cala d’en Serra. Uns reicht allerdings das ausgeschüttete Adrenalin der ersten Etappe, so dass wir nach kurzer Rast kehrt machen – und prompt in den falschen Weg einbiegen. Es scheint eine Art Versorgungsweg für den Leuchtturm zu sein. Wir folgen ihm, biegen irgendwann rechts in einen schmaleren Weg ab, landen nach einigen Minuten in undurchdringlichem Gebüsch, gehen zurück auf den Weg, folgen ihm weiter, bis wir an zwei Häusern vorbei auf eine Straße stoßen. Uns wird klar, dass wir ohne es zu wissen, einen Teil der dritten Etappe der Route gegangen sind, den Weg von der Cala d’en Serra zum Leuchtturm. Wir folgen nun der Landstraße und den Schildern nach Portinatx, sicherlich ein Umweg, denn die Strecke zum Wasser zieht sich. Dafür sind hier im Winter kaum Autos unterwegs, man läuft also recht gemütlich und unbehelligt durch einen ausgestorben wirkenden Ort mit geschlossenen Restaurants und Geschäften. Wie mag es hier im Sommer sein, fragen wir uns, während wir den letzten Hügel hinab und aufs Wasser zugehen. Wenn auch auf Umwegen: Unser Tagessoll ist erfüllt.

Spaziergang zum Torre d’es Molar
Ganz oben auf dem Berg, links vom Strand in Port de Sant Miquel, ist ein ehemaliger Piratenausguck, der Torre d’es Molar. An unserem ersten Tag auf Ibiza versuchten wir, ihn mit dem Auto zu erreichen. Das gelang uns nicht. Darum versuchten wir unser Glück nun zu Fuß. Knapp eine Stunde soll der Weg hin und zurück dauern. Auf den Rückweg entlang der Küste verzichteten wir allerdings, weil der Wind stark und die Wellen hoch waren.

Zu Beginn ist es einfach: Ein Pfeil nach dem letzten Haus weist nach links, ein richtiger Weg führt zur nächsten Bucht. Dort gibt es jedoch keinen Hinweis, wie man weiter gehen muss. Wir versuchten es an mehreren Stellen, bis wir schließlich den Weg ganz links fanden. Er führt den Berg hinauf Richtung Küste und wieder zurück, über Stock und Stein, vorbei an einer Ruine, schließlich über eine Mauer auf einen Weg. Den überquert man, und weiter geht es auf einem Trampelpfad immer nach oben, an einer Gabelung sollte man sich rechts halten. Wer eine schlechte Orientierung hat, sollte sich den Weg besser markieren, zumindest, wenn er diesen wieder zurückgehen möchte.

Der Turm am Ziel ist in recht gutem Zustand, sehr schmale Stufen, nicht für westeuropäische Outdoorschuhe gebaut, führen nach oben. Wer sich vor der Dunkelheit im Turm nicht graut, wird oben mit einem schönen Rundumblick belohnt.

Zum Aussichtspunkt Es Vedra.
Vor der Küste im Süden Ibizas liegt ein Felsbrocken im Meer, Es Vedra. Er ist mehr als doppelt so hoch wie der Kölner Dom, doch das mag man erst glauben, wenn man die Boote daneben sieht und einen Größenvergleich hat. Sie wirken wie Spielzeug neben dem Felsen. Fährt man Richtung Sant Josep, geht eine Straße nach Es Cubells ab. Bevor man den Ort erreicht, weist ein Schild zum Torre des Savinar. Ihm folgt man bis ein Feldweg links abgeht. Am Wegesrand gibt es einige Parkbuchten, einige Autos waren auch auf der holprigen Piste weiter bis zu einem Zaun gefahren. Hinter dem Zaun gabelt sich der Weg. Rechts ist man nach wenigen Minuten auf einer Plattform und hat direkten Blick auf Es Vedra. Von dort führt den Berg einen Pfad hinauf, der manchmal durch Punkte markiert ist, steil über Felsen und Wurzeln nach oben. Wer diesen Weg hinaufsteigt, sollte schwindelfrei sein, denn erstens gewinnt man schnell an Höhe und kann bis hinunter zum Wasser sehen, zweitens führt der Pfad oft nah an den Klippenrand. Lockere Steine machen den Aufstieg nicht einfacher.

Geht man stattdessen nach links, ist man nach wenigen Metern auf der anderen Seite der Klippe und hat ebenfalls einen weiten Blick über das tiefblaue Meer. Das Plateau wird ab und zu von Besuchern genutzt, um dort und in einem Steinkreis zu meditieren. Hier kann man relativ bequem einige Meter den Berg hinaufsteigen, und hat von dort einen Blick über die Nachbarbuchten. Zum Turm kommt man so jedoch nicht.