Begegnungen auf Ibiza

Auf der Balearen-Insel leben viele Ausländer, besonders Deutsche und Engländer haben hier Eigentum gekauft und sind eingewandert. Ich habe einen Niederländer an Heiligabend in einer Kneipe getroffen und eine Schweizerin, die uns durch die Höhlen von Can Marca geführt hat:

Begegnung mit einem alternden Niederländer
In einer Rockerbar auf Ibiza trinken wir unsere Weihnachtscocktails. Ein Mann, sicherlich 1,90 groß, breit und schwer, kommt herein. Seine schulterlangen Haare sind blond, die Farbe sieht natürlich aus. Sein Gesicht ist braun, aber von tiefen Falten verziert, er trägt ein gelbes T-Shirt mit einem Retro-Schriftzug, darüber eine blaue Kapuzenjacke. Der Mann steht an der Theke bei zwei jungen Touristen aus Frankreich. Er plauscht französisch mit ihnen, sein niederländischer Akzent ist offenkundig, doch das schadet seiner Sprachkompetenz nicht. Nach einiger Zeit dreht er sich zu uns:

Und woher kommt Ihr? Ah, aus Deutschland. Deutsch kann ich auch. Ja, ich spreche einige Sprachen, denn ohne Sprachen würde man nicht leben, man könnte nicht kommunizieren. Ja, ich bin aus den Niederlanden, aber vor 15 Jahren bin ich nach Ibiza gekommen. Ich habe hier ein Geschäft begonnen, und es lief, also bin ich geblieben. Außerdem ist das Wetter hier gut, der Winter auf Ibiza ist mild. Ich habe auch schon in Australien gelebt, in England und in Frankreich. Nein, man sieht mir nicht an, dass ich 63 bin. Aber wenn ich es sage, dann sind die jungen Frauen schnell weg. Ich bin alt für sie. Zehn Jahre habe ich noch, vielleicht 15, dann bin ich weg, das Leben ist vorbei, ich werde als alt abgestempelt werden, in die Hose scheißen, sabbern, dummes Zeug reden. Ob ich ich wirklich 80, 90, 100 werden will? Nur, wenn ich geistig und körperlich fit bleibe, sonst nicht. Aber heute ist Weihnachten, reden wir nicht über so traurige Dinge. Auf Ibiza feiert man Weihnachten auch, aber nur im engsten Kreis der Familie. Darum ist die nächsten Tage alles geschlossen. Ja, ich mag Ibiza, ich lebe gerne hier. Aber ich liebe auch die Niederlande, ich bin ein Käskopf, ich fühle oranje.


Begegnung mit einer Schweizerin auf Ibiza

Es ist ein kalter Tag auf der Baleareninsel, so kalt, dass eine Winterjacke angebracht wäre. Die Frau, die uns durch die Höhlen Can Marcas führt, trägt ein wollenes Stirnband um den Kopf, rechts mit einer Blüte geschmückt. Außerdem hat sie eine dicke Jacke an. Sie erzählt:

Ich bin seit 25 Jahren auf Ibiza, meine Kinder sind hier geboren und aufgewachsen. Mein Vater hatte hier schon vor über 40 Jahren eine Wohnung, und so war ich immer mal wieder hier, mal länger, mal kürzer. Dann habe ich hier bei Freunden meinen heutigen Mann kennengelernt. Und wir haben beschlossen, hier zu bleiben. Ich bin eigentlich aus der Schweiz, aus einem richtigen Nebelloch, da musste ich weg, das hab‘ ich nicht ausgehalten. Das Wetter auf Ibiza ist viel besser. Ich wohne jetzt ländlich auf einem kleinen Hof, das wollte ich auch genau so, etwas abseits, nicht im Trubel. Jetzt im Winter ist ja nicht so viel los hier, aber im Sommer – größer könnte der Unterschied nicht sein, wenn die ganzen Touristen da sind. Dann ist es so voll. Seht ihr übrigens da unten das Anwesen auf der Insel? Sie gehört einem Russen, zählt zu den teuersten Orten der Welt. 33 Millionen Euro hat er dafür bezahlt. Ja, das ist auch Ibiza.