Ibiza im Winter? Mein Fazit

Fazit: Ibiza im Sommer? Muss ich nicht haben. Schilder wie „Pool-Party täglich ab 16 Uhr“ oder „Frühschoppen mit Gulaschsuppe“ sind mir ein Greuel. Erleben muss ich das nicht. Auch Menschenmassen entsprechen nicht dem, was ich im Urlaub schätze, und für den Sommer sind diese angekündigt. Sieht man also von einigen Unannehmlichkeiten wie geschlossenen Läden und fehlender Heizung ab, ist Ibiza außerhalb der Hauptsaison für mich deutlich eher ein Reiseziel. Was ich nicht verstehe: Warum bereitet die Tourismusbehörde Ibiza nicht für Wintertouristen besser auf? Leute, die auf der Insel wandern wollen, sind in der kühlen Jahreszeit dort völlig richtig. Aber die Wanderwege sind nicht gut ausgeschildert, oft auch in keinem guten Zustand. Dabei wäre dieser Tourismus unter Umständen nachhaltiger, als der Club-Jetset-Orkan, der im Sommer über die Insel fegt: Touristen, die hier wandern wollen, kommen wegen der Schönheit der Insel, nicht wegen der Clubs, die Tausende von Gäste fassen können, und in denen eingeflogene DJs auflegen. Sie kommen wegen der Ruhe, nicht wegen des Lärms der feiernden Massen. Würde man für sie den Aufenthalt durch entsprechende Angebote attraktiver machen, hätte man doppelte Einnahmen – aber keine Verluste.

Wir hatten übrigens eine Ferienwohnung eines Bekannten gemietet. Bevor man sich für eine Ferienwohnung entscheidet, sollte man sich über einige Dinge im Klaren sein. Mehr dazu lest Ihr im Interview mit Konstanze Schäfer von Muchosol. Ich selbst bin kein Fan von Ferienwohnungen. Aber wenn man sich dafür entscheidet, sollte man einige Regeln beachten.

Zum Reiseblog Opjueck.de

Meine Ibiza-Reiseführer

Ich hatte zwei Reiseführer dabei:
Ibiza & Formentera aus dem Michael Müller Verlag. Er ist sehr detailliert und geht auf die einzelnen Regionen und Orte der Inseln ein. Mir ist das fast schon zuviel Information für solch eine kleine Insel. Trotzdem steht eine ganze Menge Wissenswertes in dem Buch. Außerdem werden einige wenige Wanderwege vorgestellt. Meine Ausgabe ist allerdings von 2008. Bei Amazon habe ich gesehen, dass es eine neuere Ausgabe aus dem Januar 2014 gibt.

Zusätzlich hatte ich den Rother Wanderführer Ibiza und Formentera – die schönsten Tal- und Höhenwanderungen dabei. Das Buch ist von 2003 und wir waren einige Male frustriert, weil wir die Wege, wie sie beschrieben waren, einfach nicht gefunden haben. Allerdings war das Ganze ein Glücksspiel – denn bei vielen Wanderungen war die Beschreibung völlig ausreichend. Im August 2015 will der Verlag eine neue Ausgabe herausbringen. Vielleicht wird damit die Pfadsuche an einigen Stellen wieder einfacher.

Fisch, Manchego oder Pizza: Essen auf Ibiza

Ein Tag auf Formentera

Wem Ibiza schon tot im Winter erscheint, der war noch nicht auf Formentera. Dort ist es, nachdem sich die kleine Passagierguppe nach der Ankunft im Hafen verlaufen hat, still. Richtig still. Autovermieter, Cafés, Restaurants – nichts ist geöffnet. Man hört lediglich den Wind als Dauerhintergrundgeräusch. Und die straff gezogenen Metallseile an den Yacht-Mästen klingen wie ein entferntes Hämmern.

Am Ende des Hafens kommt man auf den Deich. Dort dominiert das Rauschen der Wellen. Sonst ist es ruhig. Ganz ruhig. An der Küste entlang führt ein Wanderweg zu einer Meerenge. Die Landzunge, die sich etwa fünf Kilometer zieht, ist so schmal, dass man auf beiden Seiten das Wasser sieht. Es ist klar in Küstennähe, wird dann türkis  und tiefblau. Der Weg führt an einigen im Winter geschlossenen Cafés vorbei, wird schließlich felsig und endet an einer roten Flagge. Ein Künstler hat in dieser Ecke einen Steingarten angelegt: Der Tanz der Steine mit dem Meer.

Auf der anderen Seite der Landzunge führt der Weg zurück über einen Feldweg bis zum Hafen. Die insgesamt zehn Kilometer sind gut zu schaffen, wenn man vormittags auf Formentera ankommt und am späten Abend zurückfährt. Allerdings sollte man nicht unterschätzen, das große Teile der Strecke an der Küste durch den Sand führen. Dort sackt man bei jedem Schritt ein, das macht das Gehen anstrengend.

Mehr Bilder aus Formentera seht Ihr in meinem Worldly.

Ibiza: Panoramabilder

Die Höhlen von Can Marca

Nur an zwei Tagen im Jahr kann man die Höhlen rechts am Strand von Port de Sant Miquel nicht besichtigen: am 25. Dezember und am 1. Januar. Sonst finden regelmäßig Führungen durch das Berginnere statt, die etwa 40 Minuten dauern. Der Eintritt ist mit gut zehn Euro (Dezember 2014) pro Erwachsenem nicht günstig. Dafür geht man durch eine ehemalige Schmugglerhöhle, die über 100.000 Jahre alt sein soll. Durch langsam tropfendes Wasser wachsen Säulen vom Boden in den Himmel und von der Decke gen Boden, Stalakmiten und Stalagtiten also. Die Tropfsteinhöhle ist an einigen Stellen rot und blau beleuchtet, künstlich wurde ein Wasserfall geschaffen, wie er vor sehr vielen Jahren wohl einmal existierte. Die Höhle zieht sich über mehrere Ebenen, in der mittleren sind die grünleuchtenden Seen der Wünsche. Sehenswert, finde ich – ganz im Gegensatz zu den Höhlen auf Madeira.

Der Zugang zu den Can Marco-Höhlen führt über viele Treppen den Berg hinauf und hinab und ist somit nicht geeignet für Leute, die nicht gut gehen können.

Rundumblick vom Piratenturm

Begegnungen auf Ibiza

Auf der Balearen-Insel leben viele Ausländer, besonders Deutsche und Engländer haben hier Eigentum gekauft und sind eingewandert. Ich habe einen Niederländer an Heiligabend in einer Kneipe getroffen und eine Schweizerin, die uns durch die Höhlen von Can Marca geführt hat:

Begegnung mit einem alternden Niederländer
In einer Rockerbar auf Ibiza trinken wir unsere Weihnachtscocktails. Ein Mann, sicherlich 1,90 groß, breit und schwer, kommt herein. Seine schulterlangen Haare sind blond, die Farbe sieht natürlich aus. Sein Gesicht ist braun, aber von tiefen Falten verziert, er trägt ein gelbes T-Shirt mit einem Retro-Schriftzug, darüber eine blaue Kapuzenjacke. Der Mann steht an der Theke bei zwei jungen Touristen aus Frankreich. Er plauscht französisch mit ihnen, sein niederländischer Akzent ist offenkundig, doch das schadet seiner Sprachkompetenz nicht. Nach einiger Zeit dreht er sich zu uns:

Und woher kommt Ihr? Ah, aus Deutschland. Deutsch kann ich auch. Ja, ich spreche einige Sprachen, denn ohne Sprachen würde man nicht leben, man könnte nicht kommunizieren. Ja, ich bin aus den Niederlanden, aber vor 15 Jahren bin ich nach Ibiza gekommen. Ich habe hier ein Geschäft begonnen, und es lief, also bin ich geblieben. Außerdem ist das Wetter hier gut, der Winter auf Ibiza ist mild. Ich habe auch schon in Australien gelebt, in England und in Frankreich. Nein, man sieht mir nicht an, dass ich 63 bin. Aber wenn ich es sage, dann sind die jungen Frauen schnell weg. Ich bin alt für sie. Zehn Jahre habe ich noch, vielleicht 15, dann bin ich weg, das Leben ist vorbei, ich werde als alt abgestempelt werden, in die Hose scheißen, sabbern, dummes Zeug reden. Ob ich ich wirklich 80, 90, 100 werden will? Nur, wenn ich geistig und körperlich fit bleibe, sonst nicht. Aber heute ist Weihnachten, reden wir nicht über so traurige Dinge. Auf Ibiza feiert man Weihnachten auch, aber nur im engsten Kreis der Familie. Darum ist die nächsten Tage alles geschlossen. Ja, ich mag Ibiza, ich lebe gerne hier. Aber ich liebe auch die Niederlande, ich bin ein Käskopf, ich fühle oranje.


Begegnung mit einer Schweizerin auf Ibiza

Es ist ein kalter Tag auf der Baleareninsel, so kalt, dass eine Winterjacke angebracht wäre. Die Frau, die uns durch die Höhlen Can Marcas führt, trägt ein wollenes Stirnband um den Kopf, rechts mit einer Blüte geschmückt. Außerdem hat sie eine dicke Jacke an. Sie erzählt:

Ich bin seit 25 Jahren auf Ibiza, meine Kinder sind hier geboren und aufgewachsen. Mein Vater hatte hier schon vor über 40 Jahren eine Wohnung, und so war ich immer mal wieder hier, mal länger, mal kürzer. Dann habe ich hier bei Freunden meinen heutigen Mann kennengelernt. Und wir haben beschlossen, hier zu bleiben. Ich bin eigentlich aus der Schweiz, aus einem richtigen Nebelloch, da musste ich weg, das hab‘ ich nicht ausgehalten. Das Wetter auf Ibiza ist viel besser. Ich wohne jetzt ländlich auf einem kleinen Hof, das wollte ich auch genau so, etwas abseits, nicht im Trubel. Jetzt im Winter ist ja nicht so viel los hier, aber im Sommer – größer könnte der Unterschied nicht sein, wenn die ganzen Touristen da sind. Dann ist es so voll. Seht ihr übrigens da unten das Anwesen auf der Insel? Sie gehört einem Russen, zählt zu den teuersten Orten der Welt. 33 Millionen Euro hat er dafür bezahlt. Ja, das ist auch Ibiza.

Ibizas Küste im Norden und bei Eivissa

Wanderungen auf Ibiza

Entlang der Küste und auf den Berg Ibiza bietet viele einfache Wanderstrecken

Was wir auf Ibiza erstmal alles nicht gesehen haben.
In Santa Agnes, so steht es im Wanderführer, ist gegenüber der Kirche ein Parkplatz. Den haben wir genau so leicht gefunden, wie das Schild mit dem Pfeil „Cami d’es Pla de Corona“. Doch dann passte nichts mehr: Acht Minuten sollten wir gehen, bis ein Schotterweg bergauf führt. Was genau sind acht Minuten? Geht man schnell, geht man langsam? Wir fanden wohl irgendwann einen Weg, den man als Schotterweg bezeichnen könnte, der bergauf führte und rechts abzweigte, doch er brachte uns in keinster Weise ans Ziel. Daran waren wir wahrscheinlich selbst Schuld, den ein Blick ins Impressum unseres Wanderführers zeigte, dass er von 2003 ist. Gekauft hatte ich ihn zwar erst 2007, aber in acht beziehungsweise zwölf Jahren kann sich eine Landschaft stark verändern. Wir liefen trotzdem etwa eineinhalb Stunden durch den Kiefernwald, einen steilen Berg hinab zu den Klippen, wieder hinauf und durch einen Ort mit großen, neuen Häusern. Nur den Rundweg mit seinen spektakulären Ausblicken haben wir nicht gefunden.

Was soll’s, dachten wir uns, dann nehmen wir die Landkarte, die man uns gestern beim Mietwagenverleih gegeben hat, und fahren drei Punkte im Norden an, die als Sehenswürdigkeiten eingezeichnet waren. Zuerst wiesen uns braune Schilder den Weg nach Portixol. Hinter dem Namen war eine Klappkamera abgebildet, das gebräuchliche Symbol für „Da gibt’s was zu sehen, was zu fotografieren“. Wir folgten den Schildern, und während ich noch darüber nachdachte, ob dieses Symbol eigentlich für junge Leute, die Zeit ihres Lebens mit ihrem Telefon Bilder machen, noch verständlich ist, erreichten wir eine Sackgasse. Weitere Schilder nach Portixol gab es nicht, auch keine Aussicht. Wir fuhren zurück auf die Hauptstraße, fanden zufällig ein kleines, pinkfarbenes Schild, das den Weg zum Torre d’es Mular wies. Wir folgten ihm, landeten bei einem Hotel auf dem Berg und einer Schotterstraße. Ihre Löcher und spitzen Steine wollten wir unseren Autoreifen nicht zumuten. Leider gab es auch hier kein Schild, das uns den Weg zum Turm weiter wies, auch keinen Parkplatz. Wir gaben auf und fuhren zur dritten Attraktion, den Höhlen von Can Marca. Sie immerhin fanden wir. Doch obwohl das Schild an der Einfahrt vollmundig versprach, man habe das ganze Jahr geöffnet, so galt dies zumindest nicht für den 25. Dezember. So haben wir die Höhlen also zunächst nicht gesehen. Dafür den Torre – wenn auch nur von der anderen Seite der Bucht, also aus der Ferne.

Das war zwar ein etwas frustrierender Tag gewesen. Aber: Wir hatten Wärme, Farben und Licht. Was will man mehr, wenn man gerade drei Wochen Dauerregen und Grau in Grau hinter sich hat? Außerdem hatten wir an den nächsten Tagen mehr Glück:

Wanderung auf den Sa Talaia
Mein alter Wanderführer sagt, man solle in Sant Josep den gepflasterten Weg gegenüber der Kirche nehmen, um an einem Hotel vorbei auf den höchsten Berg Ibizas zu steigen, auf den Sa Talaia. Wer mit dem Auto nach Sant Josep gefahren ist, muss dieses also irgendwo abstellen: Gegenüber der Kirche führt eine Straße zu einem großen Parkplatz. Auf dem Weg von dort Richtung Kirche geht links eine Straße den Berg hinauf, auf der das Hotel ausgewiesen ist, das als Orientierungspunkt im Wanderführer genannt wird. Folgt man ihr, kommt man an eine Kreuzung. Rechts geht’s zum Hotel, links zum Wanderpfad auf den Berg. Er ist nach weniger Metern ausgewiesen: Über Baumwurzeln und Geröll führt ein sehr schmaler und steiler Weg nach oben. Die Route ist ab und zu durch einen blauen, oft verwaschenen Pfeil auf Steinen markiert. Der Weg führt durch den Wald, unter gefallenen Baumstämmen hindurch, und ist teilweise recht abenteuerlich. Nach etwa 50 Minuten erreicht man eine Plattform, von der aus man einen tollen Blick über die Insel hat. Den sollte man auf jeden Fall genießen, denn auf dem Gipfel selbst gibt es wegen der hohen Bäume und Büsche nichts zu sehen. Er wird durch einen Betonblock markiert, der etwas zerfallen wirkt und voller Graffiti ist. In meinem Reiseführer von 2003 ist er noch höher und sauberer.

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Blick vom Sa Talaia
Blick vom Sa Talaia

Bettina Blass

Wer nicht den gleichen Weg zurück gehen möchte, folgt der breiten Schotterpiste. Nach rund zehn Minuten geht links ein Weg ab zu einer natürlichen Terrasse mit einem schönen Blick über die Berge und bis zur Küste. Weiter auf dem breiten Weg nach unten kommt der Wanderer irgendwann an einer Kreuzung. Hier sollte man sich rechts halten. Leider fahren doch zumindest am zweiten Weihnachtsfeiertag viele Leute mit dem Auto über diesen Weg nach oben. Das wird noch schlimmer, wenn man die Landstraße erreicht hat, die nach Sant Josep zurückführt. Auf ihr muss man noch einige Kilometer gehen, mal rechts, mal links – je nachdem, wo man als Fußgänger mehr Platz hat. Dieses Stück der Wanderung ist nicht besonders schön, aber bequemer zu gehen, als der steile Weg, über den wir auf den Gipfel kamen. Dafür ist der erste Weg naturbelassener und deutlich malerischer als die Strecke im Graben der Landstraße und mit dem Abgasgeruch in der Nase.

Wanderung zum Leuchtturm von Portinatx
gut drei Stunden soll man unterwegs sein, um von Portinatx zum Leuchtturm zu gehen, von dort weiter bis zur Cala d’en Serra, zurück zum Leuchtturm und dann wieder zum Auto. Schon im Reiseführer steht, dass der Weg manchmal nicht leicht zu finden ist. Wir hofften, dass sich in den zwölf Jahren seit seinem Erscheinen etwas daran zum Guten verändert hat, doch der Weg ist abenteuerlich geblieben.

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Wanderung zum Leuchtturm
Wanderung zum Leuchtturm

Bettina Blass

Zwar ist am Parkplatz an der Bucht in Portinatx ein kleines Schild, das auf den Wanderweg hinweist, doch schon nach wenigen Metern wird klar, dass die Strecke nicht ohne ist. Zu Beginn kann man den Weg deutlich erkennen, weil rechts und links die Büsche und Bäume so zurückgeschnitten sind, dass ein Hohlweg entsteht, gerade breit genug für eine Person. Doch bald hören die Pflanzen auf, Schilder gibt es keine, also muss man seinen Weg erahnen. Auf Steinen sind ab und zu Zeichen: mal ist es ein gelber Punkt, ein roter Strich oder ein blauer Pfeil. Doch sie sind leicht zu übersehen. Dann versucht man sein Glück in die falsche Richtung und landet schließlich im dichten Gestrüpp. Erst, wenn man sich umdreht, erkennt man irgendwo wieder einen Farbklecks. Das ist so tragisch nicht, denn das erste Ziel hat man meistens klar vor Augen: den schmalen, schwarz-weiß geringelten Leuchtturm. Auf ihn bewegt man sich zu, und selbst, wenn man nicht auf dem offiziellen Weg unterwegs ist, nähert man sich ihm. Allerdings führt der Weg manchmal auch nah an die Klippe heran. Eine Art Konfrontationstherapie für Menschen mit Höhenangst, denn ein schützendes Geländer gibt es hier nirgends. Kurz vor dem Leuchtturm plötzlich ein irritierendes Schild, das bis zum Ziel noch 700 Meter ausweist. Dabei ist man nach wenigen Schritten dort.

Am Leuchtturm vorbei ginge der Weg weiter Richtung Cala d’en Serra. Uns reicht allerdings das ausgeschüttete Adrenalin der ersten Etappe, so dass wir nach kurzer Rast kehrt machen – und prompt in den falschen Weg einbiegen. Es scheint eine Art Versorgungsweg für den Leuchtturm zu sein. Wir folgen ihm, biegen irgendwann rechts in einen schmaleren Weg ab, landen nach einigen Minuten in undurchdringlichem Gebüsch, gehen zurück auf den Weg, folgen ihm weiter, bis wir an zwei Häusern vorbei auf eine Straße stoßen. Uns wird klar, dass wir ohne es zu wissen, einen Teil der dritten Etappe der Route gegangen sind, den Weg von der Cala d’en Serra zum Leuchtturm. Wir folgen nun der Landstraße und den Schildern nach Portinatx, sicherlich ein Umweg, denn die Strecke zum Wasser zieht sich. Dafür sind hier im Winter kaum Autos unterwegs, man läuft also recht gemütlich und unbehelligt durch einen ausgestorben wirkenden Ort mit geschlossenen Restaurants und Geschäften. Wie mag es hier im Sommer sein, fragen wir uns, während wir den letzten Hügel hinab und aufs Wasser zugehen. Wenn auch auf Umwegen: Unser Tagessoll ist erfüllt.

Spaziergang zum Torre d’es Molar
Ganz oben auf dem Berg, links vom Strand in Port de Sant Miquel, ist ein ehemaliger Piratenausguck, der Torre d’es Molar. An unserem ersten Tag auf Ibiza versuchten wir, ihn mit dem Auto zu erreichen. Das gelang uns nicht. Darum versuchten wir unser Glück nun zu Fuß. Knapp eine Stunde soll der Weg hin und zurück dauern. Auf den Rückweg entlang der Küste verzichteten wir allerdings, weil der Wind stark und die Wellen hoch waren.

Zu Beginn ist es einfach: Ein Pfeil nach dem letzten Haus weist nach links, ein richtiger Weg führt zur nächsten Bucht. Dort gibt es jedoch keinen Hinweis, wie man weiter gehen muss. Wir versuchten es an mehreren Stellen, bis wir schließlich den Weg ganz links fanden. Er führt den Berg hinauf Richtung Küste und wieder zurück, über Stock und Stein, vorbei an einer Ruine, schließlich über eine Mauer auf einen Weg. Den überquert man, und weiter geht es auf einem Trampelpfad immer nach oben, an einer Gabelung sollte man sich rechts halten. Wer eine schlechte Orientierung hat, sollte sich den Weg besser markieren, zumindest, wenn er diesen wieder zurückgehen möchte.

Der Turm am Ziel ist in recht gutem Zustand, sehr schmale Stufen, nicht für westeuropäische Outdoorschuhe gebaut, führen nach oben. Wer sich vor der Dunkelheit im Turm nicht graut, wird oben mit einem schönen Rundumblick belohnt.

Zum Aussichtspunkt Es Vedra.
Vor der Küste im Süden Ibizas liegt ein Felsbrocken im Meer, Es Vedra. Er ist mehr als doppelt so hoch wie der Kölner Dom, doch das mag man erst glauben, wenn man die Boote daneben sieht und einen Größenvergleich hat. Sie wirken wie Spielzeug neben dem Felsen. Fährt man Richtung Sant Josep, geht eine Straße nach Es Cubells ab. Bevor man den Ort erreicht, weist ein Schild zum Torre des Savinar. Ihm folgt man bis ein Feldweg links abgeht. Am Wegesrand gibt es einige Parkbuchten, einige Autos waren auch auf der holprigen Piste weiter bis zu einem Zaun gefahren. Hinter dem Zaun gabelt sich der Weg. Rechts ist man nach wenigen Minuten auf einer Plattform und hat direkten Blick auf Es Vedra. Von dort führt den Berg einen Pfad hinauf, der manchmal durch Punkte markiert ist, steil über Felsen und Wurzeln nach oben. Wer diesen Weg hinaufsteigt, sollte schwindelfrei sein, denn erstens gewinnt man schnell an Höhe und kann bis hinunter zum Wasser sehen, zweitens führt der Pfad oft nah an den Klippenrand. Lockere Steine machen den Aufstieg nicht einfacher.

Geht man stattdessen nach links, ist man nach wenigen Metern auf der anderen Seite der Klippe und hat ebenfalls einen weiten Blick über das tiefblaue Meer. Das Plateau wird ab und zu von Besuchern genutzt, um dort und in einem Steinkreis zu meditieren. Hier kann man relativ bequem einige Meter den Berg hinaufsteigen, und hat von dort einen Blick über die Nachbarbuchten. Zum Turm kommt man so jedoch nicht.